
Carl Nielsen
Carl
Nielsen Brevudgaven, Bind 1, 1886-1897Es ist keine neue Erkenntnis, dass Carl Nielsen ein großer Komponist war. Jedoch ist es unserer Zeit vorbehalten, Umfang und Bedeutung des Wortmachers und Schriftstellers Carl Nielsen in vollem Masse zu erforschen. Der Schriftsteller Carl Nielsen ist mehr als sein Erinnerungsbuch „Min fynske Barndom“ („Meine Kindheit auf Fünen“) und die kleine Essaysammlung „Levende Musik” („Lebende Musik”). Das ließ sich im Laufe der Zeit schon ahnen, als 1954 der kleine Band mit Briefen veröffentlicht wurde, dann 1983 bei der Auswahl aus Tagebüchern und Briefwechsel mit seiner Frau. 1999, bei der Veröffentlichung von „Carl Nielsen til sin samtid, I-III, („Carl Nielsen an seine Zeitgenossen“), die gesammelten schriften und Äußerungen an die Öffentlichkeit, war es dagegen eindeutig, wie umfassend das Material war, und welche Bedeutung es dem Verständnis des Künstlers in groß und klein zukommt. Damit wurde die systematische Sichtung und quellenkritische Publikation des umfangreichen und bewahrten Briefmaterials auf die Tagesordnung gesetzt, als letzter großer Teil der Arbeit mit dem Quellenmaterial unseres größten Komponisten Leben und Werk.
Carl Nielsen
Auf der Grundlage eines Angebots des führenden internationalen Carl Nielsen-Dirigenten, Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt, das Honorar einer Reihe von Carl Nielsen-Konzerten in Dänemark für eine solche Arbeit zu spenden, wurde 2001 eine Initiativgruppe gebildet um die einleitenden Arbeiten und die notwendige Beschaffung der finanziellen Mittel für das 7 bis 8jährige Projekt zu beginnen. Diese Arbeit verlief so glücklich, dass das Projekt Anfang 2002 beginnen konnte. Das Projekt hat Sitz bei der „Det Kongelige Bibliotek“ wo sich ein Großteil des bewahrten Briefmaterials befindet, hat jedoch seine eigene Leitung und wird von Mitteln aus privaten Fonds finanziert.
Die Arbeit der ersten beiden Jahre bestand im Einsammeln, Registrieren, Kopieren und Ausschreiben des massiven Materials. Den Grundstamm bilden die fast 3500 erhaltenen Briefe Carl Nielsens an „Groß und Klein“ in Dänemark, Skandinavien und dem übrigen Europa. Dazu kommen etwa 9000 Briefe an und Carl Nielsen betreffend, von denen eine größere Auswahl in der Buchausgabe erscheint, die nicht weniger als 10 Bände umfassen wird.
Schon das erste Jahr der Arbeit brachte bemerkenswert Neues an den Tag, Briefe und ein bisher unbekanntes Manuskript, in welchem die Malerin und Ethnologin Emilie Demant Hatt von ihrer Bekanntschaft mit Carl Nielsen in der für sie beide entscheidenden drei Jugendjahre berichtet, drei bisher unbeschriebene und rätselhafte Jahre in der Biografie Carl Nielsens. Das Manuskript, „Forårsbølger“ (Frühlingswellen), wurde sofort publiziert. Damit bekamen wir beispielsweise auch genaueres Wissen über die Gönner die es dem jungen Militärmusiker ermöglichten, zur Hauptstadt zu reisen und sich auszubilden.
Der Wert der Carl Nielsen Briefausgabe begrenzt sich nicht auf die erstmalige
Möglichkeit einer qualifizierten Auseinandersetzung mit dem Werk und
Leben Carl Nielsens auf Grundlage des existierenden Quellenmaterials, sondern
ist auch ein in weiterem Sinne unumgängliches Quellenmaterial einer
wichtigen und neueren Periode der dänischen (Kultur)Geschichte.